Jakobsweg: Esslingen - Tübingen

Die 1. Etappe auf dem Jakobsweg 2015 in Baden-Württemberg liegt hinter mir und langsam sind auch alle Körperteile wieder schmerzfrei.

Nun fragst du dich vielleicht: "Warum macht sie das?"

Die Touren in der Heimat dienen mir als Übungen und zum Equipmentcheck für die komplette Tour von Porto bis Santiago (ca. 235 km), die ich im Mai antrete.

Schon meine Anreise mit der S-Bahn nach Esslingen ist eine besondere Fahrt, denn durch die Muschel an meinem Rucksack werde ich auf mein Vorhaben angesprochen. Ich ernte noch vor dem ersten getanen Schritt Bewunderung. Von der Sonne geküsst geht dann mein Weg los und das natürlich bergan.

 

Ich genieße die Wege durch die Wälder, über die Felder und durch kleine Ortschaften. Die Beschilderung ist super. Ab Kilometer 15 durchschaue ich endlich das System und erkenne, dass mir die Muschel die Richtchung weißt. Gegen Mittag picknicke ich in der Sonne einer Waldlichtung und bin begeistert von meiner Motivation, die Tour auch allein zu gehen. Angekommen an einer Kreuzung, der die Muschl fehlt, treffe ich auf ein älteres Paar, welches mir mit der Richtung aushilft. Auch von ihnen erfahre ich große Bewunderung. Beim Abschied geht mir durch den Kopf, dass ich den deutschen Segensspruch des Weges gar nicht kenne. Auch die beiden nicht, denn sie wünschen mir "Frohes Muschelsuchen". Am Sonntag soll sich diese Rätsel lösen.

 

Ab Neckartailfingen beginnt laut Reiseführer ein neuer Abschnitt. Da es erst kurz vor 15:00 Uhr ist, bin ich nachwievor von meinem Vorhaben überzeugt, 3 Abschnitte an 2 Tagen zu laufen.

 

Ca. 8 km vor meinem Tagesziel treffe ich auf dem Feld auf einer ältere Dame, die mir selbstsicher versichert, dass man Weg nach links weitergeht. Sie weiß nichts von meinem eigentlichen Weg und schickt mich zum Brezelfest. Ich hadere kurz mit mir, denn ich weiß um die ausstehenden 8 km und habe schon 27 km in den Knochen, doch entscheide ich mich dann für den Umweg und die frischen Brezeln. Frisch gestärkt trete ich dann die letzten Kilometer an. Inzwischen fallen die ersten Regentropfen um welche ich sehr froh bin, denn die Sonne am morgen hat ihre rote Spur in meinem Gesicht hinterlassen.

Körperlich ziemlich am Ende treffe ich gegen 18:30 Uhr nach 35 km im Hotel in Rübgarten ein. Außer Duschen ist nichts mehr drin und so schlafe ich mir ab 20:00 Uhr neue Kräfte für den nächsten Tag an. Noch kann ich mir nicht vorstellen auch nur einen weiteren Schritt zu gehen.

 

Beim Frühstück am Sonntag treffe ich auf zwei Pilger, die das Geheimnis um den Segensspruch lüften. Man wünscht sich wohl auch in Deutschland "Buen Camino". Überraschend gut läuft es sich wieder an, wobei heute das Wetter kaum zur Motivation beiträgt. Auf der Geraden zwischen Einsiedel und Bebenhausen bläst der Wind kräftig und die zwei Kilometer scheinen endlos. Ich erinnere mich an Stefan Landsiedels Motivationssong "You are simply the best" und feuere mich an.

Kurz vor Tübingen schmerzt mein Fuß, ich kehre vorerst zum Mittag ein und beschließe anschließend meine erste Etappe in Tübingen zu beenden. Bei Regen steige ich in den Zug und freue mich schon auf das nächste Wochenende.

 

Fazit der ersten Tour:

  • Ich sollte mit meinen Kräften besser haushalten.
  • Ich kann mich selbst gut pushen. Statemanagement fetzt!
  • Manchmal lohnt sich ein Abkommen vom Weg.
  • Wenn etwas nicht geht, probier etwas anderes.
  • Ich kann mich auf die Beschilderung verlassen und treiben lassen.
  • Coaching in der Naur funktioniert, denn ich sammle viele Ideen für kreative vorhaben.
  • Mein Equipment muss noch z.B. um den verweigerten Regenschutz aufgestockt werden.

Ich freue mich auf die nächste Etappe!

 

Seien Sie dabei, wenn ich diese Etappe in meinem offiziellen Programm erneut gehe - es ist eine tolle Möglichkeit innenzuhalten und auf die eigenen Bedürfnisse zu lauschen!

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