Jakobsweg: Porto - Santiago de Compostella

Nach vier Tagen in Lissabon, Fatima und Porto kribbelte es in den Füßen. Die gelben Pfeile hatte ich auch schon gesehen und wollte nun aufbrechen. Endlich war es soweit – mein Pilgerweg von Porto nach Santiago lag vor mir.

Nach jeder Etappe verfasste ich einen Tagesbericht, den ich gern nach der Reise hier veröffentlichen wollte. Nun habe ich alle Berichte abgetippt und jetzt ist mir die Nachricht, die mir der Weg mitgegeben hat, so richtig bewusst, denn jeder Tag liest sich gleich.
Der Camin(h)o hat mir gezeigt, was wirklich wichtig ist auf meinem Lebensweg:
  • Wo schlafe ich?
  • Wo bekomme ich etwas zu essen? Habe ich genügend Wasser dabei?
  • Wie viel muss ich anziehen um weder zu frieren noch zu schwitzen?
  • In welcher Umgebung bin? Bin ich bereit einen längeren Weg zu gehen, wenn ich Industriegebiete durch Natur ersetzen kann?
  • Wie geht es meinem wichtigsten Fortbewegungsmittel – meinen Füßen?
  • Wie geht es dem Transportmittel meines Hab und Guts – meinem Rücken?
  • Welche Strecke schaffe ich heute? Kann ich mich zu einer bestimmten Kilometerzahl motivieren?
  • Wer ist bei mir? Möchte ich gerade Menschen um mich haben oder brauche ich Ruhe?
  • Warum bin ich hier?

Betrachte ich daneben einmal die Bedürfnispyramide von Maslow, so erkenne ich die Bedürfnisse: Physiologisch, Sicherheit, sozial und individual wieder. Die letzte Frage bezieht sich zum einen auf den Weg und zum anderen auf mein Ziel der Selbstverwirklichung, welchem ich auf dem Weg auf den Grund gehen wollte. Es hat gut getan unterwegs auf genau diese Bedürfnisse und vor allem auf die Individualbedürfnisse zu achten. Für meinen Lebensweg nehme ich mir die Erkenntnis der Wahlmöglichkeiten mit. Diese habe ich und sollten andere beeinträchtigt werden, so ist es an mir ihnen meinen Wunsch zu vermitteln und zu erklären. Das beste Beispiel hierfür ist meine Begegnung mit einer anderen Deutschen. Wir waren uns von Beginn an einig, dass jeder sein eigenes Tempo laufen sollte, da es sonst für den, der sich anpasst, zusätzlich anstrengend wird. Wir haben uns oft getroffen, sind Passagen zusammen gelaufen, haben gequatscht und geschwiegen und sind dennoch jede, wenn es an der Zeit war, entweder zurück geblieben oder voraus gegangen. Jede hat für sich gesorgt und da es so ausgemacht war, war es völlig in Ordnung. Und außerdem: Wären wir immer zusammen geblieben, hätten wir all die tollen Momente des Wiedersehens nicht erleben können.

 

Schaut man sich die Bedürfnispyramide im Ursprung von Maslow an, wird man auch vergebens Besitz von Gütern finden, die nicht überlebensnotwendig sind.  Die Pilgerreise hat meine Erkenntnisse aus meiner Vietnamreise unterstützt: für mich ist es wichtig, zu haben, was ich brauche und genau darauf zu achten, was ich wirklich brauche. Hierbei geht es mir nicht um Verzicht, sondern um das Hinterfragen. Was hätte mir zum Beispiel meine Lederjacke unterwegs gebracht, wenn ich meinen Schlafsack nicht gehabt hätte. Was ist wirklich wichtig? Für mich ist es die Freiheit und das Entdecken in der Natur sowie die Begegnung mit vielen tollen Menschen!

 

Im Anschluss an die Betrachtung meiner Tagebuchaufzeichnungen habe ich ein Pilgertagebuch entworfen, welches es anderen Pilgern und mir bei meinen nächsten Touren erleichtern soll, Erlebnisse und Gedanken festzuhalten.

 

Einen ausführlichen Bericht gibt es unter www.globalscout.de.

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