Jakobsweg: Pilgern in der Heimat...

... lässt einen die Heimat mit ganz anderen Augen sehen! Wie oft gehst du andere, als deine gewöhlichen Wege? Versuche es einmal und die wirst erstaunt sein, was solch ein Perspektivwechsel für neue Erkenntnisse birgt.

Für mich ging es an diesem Samstag gemeinsam mit meinen Eltern von Stollberg im Erzgebirge nach Zwickau und von dort aus mit der "Bahn" (die " " erkläre ich dir später) zurück.

Morgens ging es mit dem Zug zum Ausgangsort - nach Stollberg. Bis dahin waren wir bereits im letzten Jahr von Chemnitz aus gepilgert. Trotz verschlossener Marienkirche entdeckten wir mit Freude einen neuen Kasten am Pfarramt, welcher Stempel und Pilgergästebuch bereithielt.

 

Nun ging es los. Da wir uns später mit meiner Tante und meinem Onkel treffen wollten, welche an diesem Tag Hochzeitstag feierten, pflückten wir mit Begeisterung Wiesenblumen. Mit der Aufmerksamkeit auf die Blumen fokussiert, entdeckten wir immer wieder neue wunderschöne Sorten und bewunderten jede Blumenwiese.

 

Auch den Wunsch nach einem Kirschbaum schickte ich ans Universum. Kaum gedacht, tauchte der erste Baum auf. Da ich meinen Wunsch nicht spezifiziert hatte, hingen die Kirschen unerreichbar hoch. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit einer lieben Bekannten, die mir einmal sagt: "Achte genau darauf, was du dir vom Universum wünschst!" Also gab ich meinem Wunsch noch einige Kriterien: Süßkirschen, niedrighängend, reif, Pflücken erlaubt und es dauerte noch einige Kilometer und der perfekte Kirschbaum stand vor mir. Man kann glauben, was man will, doch dieser Wunsch wurde mir erfüllt :-)

 

Nach ca. 4 km standen wir vor der Herausforderung: folgen wir der Muschel und gehen nach Gefühl oder folgen wir unserem Pilgerführer? Wir folgten dem Pilgerführer und kamen an der süßen Lutherkirche aus Stein vorbei und konnten einen Stopp am Waldbad Neuwürschnitz einlegen. Nun ja, wir verfehlten scheinbar einige Abbiegungen, stromerten durch den Wald, durch Wiesen und übers Feld um dann an einer Bundesstraße entlang, unseren Weg wieder Richtung "Muschel" zu bahnend - Google Maps sei Dank. Dieses Stück wäre zum Abgewöhnen gewesen und umso größer war die Freude, als wir endlich wieder eine Jakobsmuschel entdeckten und wussten, dass wir den Weg wieder haben. Zur Versöhnung ging es dann ein wunderschönes Stück über Felder und durch den Wald.

 

Frisch gestärkt an einem traumhaften Picknickplatz stellte uns der Weg erneut auf die Probe. Es ging einige Kilometer an der Autobahn A72 entlang. Doch auch hier konnten wir etwas Positives finden, denn wie häufig fahren wir diese Autobahn entlang und werden nun bei jeder Fahrt an diese Pilgertour denken.

 

In Reinsdorf kamen uns meine Tante und mein Onkel per Fahrrad entgegen, versorgten uns mit neuem Trinkwasser und von da ab hatten wir unseren Spähtrupp, der vorausfuhr und die nächsten Muschelschilder suchte. Spannend war, dass sie zu Beginn wirklich Schwierigkeiten hatten, sie zu sehen. Es gilt also nicht nur den Körper zu trainieren, hat man eine Pilgertour vor, sondern auch das Auge zu schulen. Wie wichtig genügend Flüssigkeit ist, zeigte sich auch bald in Form von Schmerzen in den Beinen.

 

Die weiteren Kilometer versöhnten uns, denn es ging einen Waldweg nach Zwickau gefolgt von der Überquerung der Mulde auf einer alten Holzbrücke.

 

Angekommen am Dom St. Marien in Zwickau erhielten wir wieder einen Stempel und ließen den Tag bei einem Snack Revue passieren. Mit genügend Zeitpuffer ging es dann zum Bahnhof, an welchem uns Schienenersatzverkehr, kurz vor der Abfahrt, erwartete mit einem Busfahrer, der sich von einem Fahrgast lotsen lassen musste. Endlich an einem Bahnhof, fuhr uns der Zug vor der Nase weg. Doch unseren Anschluss in Chemnitz erreichten wir just in time, sodass wir nach genau 12 Stunden wieder am Ausgangsort ankamen.

 

Ein langer und erlebnisreicher Tag ging zu ende. Wir gingen den Weg mit dem Finger auf der Karte noch einmal und stellten fest, dass wir uns mit dieser vermutlich nicht verlaufen hätten. Da ich sonst komplett ohne Kartenmaterial unterwegs bin, hat mich dieser Weg eines Besseren belehrt, denn auch eine weitere Abbiegung hätten wir ohne verpasst.

 

Ich freue mich auf die nächsten Etappen und plane meinen Traum von Zwickau aus weiter bis nach Konstanz zu pilgern!

 

Seien Sie bei einer kürzeren Etappe dabei - es ist eine tolle Möglichkeit innenzuhalten und auf die eigenen Bedürfnisse zu lauschen!

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