Pausieren statt Funktionieren - Mit Achtsamkeit raus aus der Stressfalle Alltag

Du kommst von einem voll geladenen Arbeitstag nach Hause und verrichtest deine Hausarbeit, Essenszubereitung UND auch das Essen selbst im gleichen Rhythmus – Zack, Zack, Zack?

 

Was hast du gegessen? Wie hat es geschmeckt?

Du kannst diese Frage nicht beantworten?

Du bist in bester Gesellschaft, denn dies können viele nicht!

 

Oder du bist mit dem Auto unterwegs und auf einmal am Ziel ohne mitbekommen zu haben, was es unterwegs zu sehen gab? Dann warst du vermutlich mit deinen Gedanken wo ganz anderes beschäftigt und dein Körper hat dich auf Autopilot sicher ans Ziel gebracht. Dies konnte er nur, weil du die Strecke schon kanntest und nichts Ungewöhnliches passiert ist. Doch das glaubst du nur. In Wirklichkeit war da sooooo viel Ungewöhnliches am Straßenrand, du hast es nur einfach nicht mitbekommen.

 

Gestern hatte ich ein sehr tief gehendes Coaching, bei welchem auch mir wieder bewusst wurde, dass ich mich zwar sehr fokussiert darin übe meine Wahrnehmung nach außen hin zu schärfen und genau zu beobachten, doch das Hineinfühlen in mich selbst, kommt dabei zu kurz. Das Fühlen ist nicht mein primärer Wahrnehmungskanal – da liegen Sehen und Hören viel weiter vorn. Doch wird mir dies nun als Mangel bewusst, denn es gibt Situation, nach welchen ich mir wünsche, ich hätte sie intensiver erlebt z.B. eine Umarmung mit einem Freund. Wenn es dir ähnlich geht, dann lies weiter, denn ich erarbeite für mich und noch mehr für dich, was wir tun können um unser Leben bewusst und mit allen Sinnen zu leben.

 

Wir haben schließlich nur eines und daher gilt es, aus diesem einen alles mitzunehmen!

 

Was hat es also mit diesem bewussten Wahrnehmen auf sich?

 

Vielleicht hast du schon einmal etwas von dem Begriff ACHTSAMKEIT gehört. Achtsamkeit ist keine neue Erfindung unserer Zeit – im Gegenteil. In vielen spirituellen und philosophischen Traditionen kann man unterschiedliche Aspekte der Achtsamkeit bereits entdecken. Herausragen der Buddhismus und die humanistischen Traditionen des beginnenden 20. Jahrhunderts, denn da begann man einen Übungsweg zu entwickeln um Achtsamkeit bewusst zu praktizieren.

 

Einer der bekanntesten neuzeitlichen Verfechter der Achtsamkeitstheorie ist sicherlich Jon Kabat-Zinn (emeritierter Professor der University of Massachusetts Medical School Worcester). Nach ihm ist Achtsamkeit die „zielgerichtete Aufmerksamkeit in der Gegenwart mit dem Zweck der Selbstentdeckung, das Selbst kennenzulernen und zu verstehen“.

 

Dabei kann Achtsamkeit mit einer Taschenlampe oder einer Lupe verglichen werden. Sie ermöglicht das fokussierte Erkennen dessen, was ist. Je nach Richtung der Aufmerksamkeit unterscheidet man die Achtsamkeit nach innen und nach außen.

 

Doch wie kommst du nun zu dieser Achtsamkeit und welchen Vorteil bringt sie dir?

 

Für mich lassen sich die Vorteile in zwei Kategorien gliedern:

  1. Durch aufmerksames Erleben gelingt es die schönen Momente im Leben noch intensiver zu erleben und sie auch als aktive Erinnerung abzuspeichern. Wann immer es mir nicht so gut geht, kann ich auf diese Erinnerungen zurückgreifen und daraus Kraft schöpfen.
  2. In Situation, in welchen ich „nur“ funktioniere, ich mich gestresst oder unwohl fühle, dient mir die Achtsamkeit zum Anhalten – Pausieren. Ich habe dann die Möglichkeit wahrzunehmen, was gerade mit mir geschieht, was dies ausgelöst hat, warum mich der Auslöser stört, welche Werte dadurch verletzt werden. Durch dieses Erkennen kann ich zur Positivierung auf die Erinnerungen aus 1. zurückgreifen und habe die Möglichkeit bewusst eine Änderung herbeizuführen.

Durch Training verschiedener Übungen kann ich diese Aufmerksamkeitsfokussierung in meinen Alltag integrieren. Als Bild zur Erinnerung hilft mir dabei eine „Play/Pause-Taste“. Wann immer es eine Situation erfordert/wert ist, löse ich gedanklich diese Taste aus und halte für einen Moment inne. In diesem Moment scanne ich alle meine Sinne. Ich nehme wahr, was ich sehen, hören, riechen und schmecken kann und gehe von den Fußzehen bis zur Kopfhaut meinen Körper durch und nehme alle Gefühle wahr.

 

Diese können äußerer Druck z.B. durch den Stuhl, auf dem ich sitze, die Temperatur meiner Hände und Füße, ein Kribbeln, Ziehen oder ähnliches irgendwo im Körper sein. Je öfter ich dies mache, desto mehr wird mir bewusst.

 

Vielleicht hast du auch schon mal jemandem zur Begrüßung die Hand gegeben und dieser hat dich auf die Hitze deiner Hand aufmerksam gemacht. Dir selbst war das nicht bewusst, doch mit dieser Hitze könntest du zum Beispiel deine kühlen Oberschenkel wärmen. Erkenne also durch eine solche kleine einfache Übung auch das Potenzial, mit welchem du dir selbst Gutes tun kannst.

 

Eine weitere Übung ist das Beobachten des eigenen Atems. In einer Situation, in welcher du dich rundum wohl fühlst – wie atmest du da? Merke es dir gut! In einer Situation, in welcher dich der Stress übermannt, wie atmest du da? Versuche nun, deinen Wohlfühl-Atem in der Stresssituation zu atmen. Damit tust du so als ob. Du simulierst deinem Körper einen Hauch von Wohlfühlen. Somit kommst du leichter durch die stressige Situation!

 

Sollte dir das Wahrnehmen im Innen zu Beginn schwerfallen, dann versuche Übungen im Außen. Nimm dir einmal bewusst 20 Minuten Zeit. Die ersten 10 Minuten fokussierst du dich auf alles, was du sehen kann. Nimm nur wahr. Damit deine Gedanken nicht abdriften in z.B. „wie groß dieser Baum ist“, sage dir in Gedanken oder laut auf, was du sehen kannst z.B. „Ich sehe einen Baum. Er hat Äste mit Blättern und Zweigen. Die Blätter sind in verschiedenen Grüntönen gefärbt. Die Rinde ist fleckig. Am Stamm wächst Efeu empor.“

 

Die nächsten 10 Minuten richte deinen Fokus auf das, was du hören kannst. Schließe dazu auch gern die Augen.

 

Wenn du nun noch Lust hast, dann schau einmal in den Himmel. Siehst du Wolken? Erinnere dich noch einmal ans Kind-Sein und wie du in den Wolken Bilder gesehen hast. Was kannst du heute sehen? Was kommt dir zuerst in den Sinn und welchen Hinweis gibt dir dein Unterbewusstsein auf deinen aktuellen Fokus im Leben? Ich habe dies gerade, wie ich hier so schreibe, gleich einmal ausprobiert. Ich konnte die Landkartenumrisse von Vietnam, Laos, Kambodscha und Thailand sehen. Womöglich, weil ich dort gern hinreise, dieses Jahr bereits dort war und für nächstes Jahr die Planung begonnen habe.

 

Der nächste Schritt kann das Trinken von kaltem Mineralwasser sein. Ich habe mir zum Beispiel gerade einen Kasten Mineralwasser in Glasflaschen gegönnt (ich trinke sonst Leitungswasser). Diese Flaschen haben eine besondere Form und schmiegen sich sanft mit ihrer Kühle in meine Hand. Nehme ich nun einen Schluck, prickelt es im Mund und beim Schlucken, kann ich dieses Prickeln weiter durch meinen Hals verfolgen. Und auch nach dem Schlucken spüre ich die Kühle in meinem Mund. Das kühle Prickeln gibt mir Vitalität und Energie. Du siehst – eigentlich ist dies keine Übung, sondern etwas, was wir sowieso immer wieder tun – Trinken, nur mit bewusstem Hinspüren.

 

Doch wozu diese Achtsamkeit und all das Üben? Ein Leben in Achtsamkeit wird uns ein höheres Maß an Zufriedenheit, Gelassenheit, Harmonie und Glück ermöglichen. Die Übungen bringen uns wieder in den Flow und zu unserer Vitalität. Wir können die Richtung und die Qualität unseres Lebens wieder selbst bestimmen und entscheiden selbst, welche Handlung wir im praktischen Autopilot durchführen und welche wir uns wirklich GÖNNEN!

 

Abschließen möchte ich mit den Worten von Jon Kabat-Zinn aus dem Buch „Im Alltag Ruhe finden“.

 

„Im Grunde ist Achtsamkeit ein ziemlich einfaches Konzept. Seine Kraft liegt in der praktischen Umsetzung und Anwendung. Achtsamkeit beinhaltet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Sie macht uns die Tatsache bewusst, dass sich unser Leben in einer Folge von Augenblicken entfaltet - dass es auch nichts weiter als diesen Augenblicken besteht. Wenn wir in vielen dieser Augenblicke nicht völlig gegenwärtig sind, so übersehen wir nicht nur das, was in unserem Leben am wertvollsten ist, sondern wir erkennen auch nicht den Reichtum und die Tiefe unserer Möglichkeiten, zu wachsen und uns zu verändern.“

 

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