Vom Mangeldenken zur FÜNF Projekterkenntnis

Kennst du sie auch, diese Menschen, die diese eine Sache so richtig gut können und Spezialisten in diesem Thema sein?

 

Wenn du einen Experten brauchst, weißt du genau – ihn oder sie, die kann ich um Rat fragen.

 

Und wie ist das bei dir? Hast du auch diese eine Fähigkeit, dieses Spezialgebiet?                 NICHT?????

Ich auch nicht und ich hielt das lange Zeit für einen Mangel.

 

Doch schon vorab!

 

Auch DU kannst etwas richtig gut, auf deine Weise und das macht dich zu einem einzigartigen besonderen Menschen! Du wirst schon sehen...

 

Lass mich dir von mir berichten:

 

Nach dem Abi hätte ich mich nie für EINE Studienrichtung entscheiden können. So machte ich eine Ausbildung zur Direktionsassistentin, ein Job, der sooo viele Themen umfasst, von BWL, Buchhaltung, EDV, Marketing, 10-Finger-Schreiben, Sprachen in Wort und Schrift usw. Ich arbeitete eine Weile in diesem Beruf, doch fehlte mir die Anerkennung, die Anerkennung für das, was ich leistete. Immer nur im Hintergrund agieren und alles am Laufen halten, das war es nicht. So studierte ich noch BWL. Doch auch dann ging es als Consultant breit gefächert weiter. Und Eines merkte ich die ganze Zeit: „Ich kann nichts so richtig!“

 

Alle kamen zwar zu mir, wenn sie organisatorische Fragen hatten, doch das ist ja kein Spezialgebiet, so dachte ich. Managen, Organisieren, Strippen ziehen, das Ohr bei allen und jedem Thema haben, schulen, eine Vielzahl an Tools beherrschen, immer helfen können und wollen, viele private Themen von Kollegen kennen, fühlen, wer mit wem kann und wer nicht, wem es gut geht und wer gerade etwas braucht, schnell in neue Themen einarbeiten, von Vielen wertgeschätzt werden… all das, schätzte ich nicht als mein Spezialgebiet!

 

Ich schätzte es nicht, bis ich am vergangenen Wochenende zum Thema Vielbegabung“ bzw. „Scannerpersönlichkeiten“ interviewt wurde. Ingrid Huttary hat auf ihrem Blog genau dieses Thema aufgegriffen. In ihrem Artikel geht es zwar hauptsächlich um den „Dranbleibfaktor“, denn Vielbegabte lassen sich schnell für ein neues Thema begeistern und sind genauso schnell wieder davon gelangweilt, meist ohne es zu Ende gebracht zu haben, doch hat mich das Interview wachgerüttelt.

 

Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass es nicht viele Dinge sind, die ich so halb kann, sondern eine ganze Menge, die ich richtig gut kann. Und ja, das mit dem Dranbleiben ist auch so ein Thema, wofür ich mit Ingrid eine prima Strategie (die kannst du in meinem Kommentar zu diesem Blogbeitrag nachlesen) erarbeitet habe, doch soll es hier mal um die andere Seite gehen, nämlich um das Wertschätzen, dessen, was wir können!

 

Also zurück zur Erkenntnis... ich kann viele Dinge richtig gut!

 

Weißt du, wer diese Erkenntnis die ganze Zeit verhindert hat? Mein ganz schön starker „Sei-Perfekt-Antreiber“. Für ihn zählen nur 100 %, sonst nichts. Dabei kenne ich doch den guten alten Signore Pareto und du bestimmt auch.

 

Mit 20 % des Aufwands kann häufig 80 % des Ergebnisses erzielt werden. Und genauso ist es möglicherweise bei dir und mir. Wir können viel und das richtig gut. Bis zur Perfektion fehlen vielleicht noch 20 %, doch die würden uns einen enormen Energieaufwand kosten und wofür? Was hat unser kleiner Perfektionist davon, dass wir noch einmal 80 % Aufwand in das I-Tüpfelchen stecken? In der Zeit können wir doch vier weitere Projekte angehen. Ha, was für eine Betrachtungsweise, die mir jetzt erst beim Schreiben kommt.

 

Laut Pareto können wir also mit 100 % Aufwand, wenn wir die von ihm entdeckte Formel berücksichtigen, FÜNF 80 % Projekte schaffen. Ich liebe mein betriebswirtschaftliche denkendes Gehirn ;-)

 

Was hat der Perfektionist also davon, dass wir die restlichen 20 % bis zur Perfektion noch hin bekämen? Wofür will er uns schützen? Er bewahrt uns vor möglichen Fehlschlägen, vor Kritik, vor Spott und den damit verbundenen Gefühlen. Doch mal ehrlich, wie häufig kommt es zu denen und wenn es doch einmal geschieht, wie lange halten sie an?

 

Lieber Perfektionist, wäre es nicht viel toller, wenn wir uns nicht mehr ewig an den restlichen 20 % aufhalten und uns dazu quälen müssten und dafür viel mehr schaffen könnten? Wir könnten uns über Hinweise von anderen freuen, die noch das sprichwörtliche Haar in der Suppe oder den Tippfehler im Blog gefunden haben (Sachdienliche Hinweise bitte gern per Mail an mich)?

 

Hier habe ich den Pakt schon geschlossen!

 

Meine Deutschlehrer waren von meiner Rechtschreibung nie begeistert, doch ich sah und sehe meine eigenen Tippfehler einfach nicht. Mein kleiner Perfektionist mahnte mich also immer wieder zum Korrekturlesen, doch ich erkannte, dass ich die Fehler einfach nicht sehe, da kann ich noch so oft Korrektur lesen.

 

Somit veröffentliche ich meine Beiträge jetzt nach einmaligem Lesen und bevor ich sie promote, lasse ich jemanden drüber lesen und bitte um Korrektur. Beim Thema Bitten, wären wir gleich beim nächsten Antreiber, der das verhindert hat, doch um den soll es heute nicht gehen.

 

Wenn du also glaubst, dass du nichts so richtig kannst, dann mache dir einmal bewusst, wofür du heute geschätzt und um Rat gefragt wirst. Vielleicht sind es keine Nobelpreisverdächtigen Themen und dennoch sind sie es, die dich ausmachen. Wenn dir gar nichts einfallen will, dann frage doch mal Freunde, Familie, Kollegen, Kunden... Und wenn du dann einige Themen gesammelt hast, dann mache noch folgende kleine Übung:

 

Nimm dir jede Fähigkeit einmal vor. Erinnere dich an eine Situation, als du sie ausgelebt hast. Erinnere dich mit allen Sinnen. Schließe dazu gern die Augen, damit es dir leichter fällt oder fixiere deinen Blick an etwas und lasse ihn verschwimmen. Mache die Erinnerung ganz groß und intensiv. Sage dir dann einen der folgenden Sätze oder eine für dich passende Abwandlung:

  • Ich kann xxx richtig gut,
  • Ich bin ein Spezialist in xxx.
  • Ich werde um Rat gefragt für xxx.
  • Andere schätzen mich für xxx.

Wiederhole diese Übung gern mit mehreren Themen, soviel wie du vertragen kannst.

 

Welches Gefühl stellt sich nun ein? Mir kommt gerade STOLZ in den Sinn. Dir auch?

 

Berichte gern in den Kommentaren, was du richtig gut kannst und mit richtig gut, meine ich…!!! Du weißt, was ich sagen will! Ich sag nur:

 

Mit 100 % Aufwand FÜNF Projekte/Aufgaben/Herausforderungen meistern!

 

Diesen Beitrag habe ich inspiriert von der Blog-Parade „Erfolgsfaktor DU“ von Nadja Forster geschrieben. Schau dir auch die anderen Beiträge sowie unser gemeinsames Interview an!

 

Hat dir der Beitrag gefallen? Wann fängst du mit dem Umsetzen an? Berichte gern in den Kommentaren.

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Kommentare: 2
  • #1

    Hans-Peter (Montag, 05 September 2016 03:59)

    Im Rahmen einer Personaleinsparung ging der Kelch auch nicht an ein Labor vorbei.. Frage an den Leiter: Wie können Sie verantwortungsbewusst einsparen?

    Antwort: Die 100 %ige Genauigkeit der Leistung der MitarbeiterInnen kann ich wissenscahftlich vertretbar auf 92-95% senken..
    Die entsprechenden MitarbeiterInnen hatten anfangs Probleme, die Qualität herunterzufahren. Aber jetzt geht es.

  • #2

    Susi Bayer (Montag, 05 September 2016 06:40)

    Lieber Hans-Peter,

    ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Message ganz eindeutig formuliert habe.

    Dieser Blogbeitrag ist definitiv kein Plädoyer an mangelnde Genauigkeit, sonder ein Aufruf, auch mit 80 % der Ergebnisses schon einmal an den "Markt" zu gehen und für die restlichen 20 % Unterstützung zu holen. Diese Unterstützung kann von Leuten kommen, für die die "meine" restlichen 20 % ein ähnliches Kinderspiel sind wie die anderen 80 % für mich.

    Das Ergebnis sollen FÜNF 100 % Projekte sein, allerdings durch Unterstützung von außen. Verhindern möchte ich, dass jeder versucht selbst die 100 % zu erreichen und dadruch nie fertig wird, denn wie in meinem Beispiel - ich sehe meine Tippfehler nicht. Somit würde ich keinen einzigen Beitrag veröffentlichen, weil er nie meine 100 % Ansprüche erfüllen würde.

    Wie mit Personaleinsparung umzugehen ist, steht auf einem anderen Blatt!

    Viele Grüße

    Susi