Caminho Portugues da Costa - Anreise Tag 0 bis 2

Die Anreise ist unspektakulär und interessiert doch eigentlich keinen?  Bei mir ist das immer ein Abenteuer. Bei meinen letzten großen Flugreisen habe ich einmal den Flieger verpasst, einmal sämtliche Kreditkarte daheim vergessen. Ohne große Zusatzkosten am Zielort anzukommen, ist für mich also nicht selbstverständlich :-)

 

Früh geplant – Glückliche Eingebung – 3 h 20 min länger Urlaub

 

Gebucht habe ich meine Reise im Januar, also schon vor einer halben Ewigkeit. Da ich möglichst günstig fliegen will, nehme ich eine Nacht Stop Over in Brüssel in Kauf. Zunächst beschließe ich, die Nacht auf dem Flughafen zu verbringen, doch nach den Anschlägen, scheint diese Idee wohl nicht mehr die Beste zu sein. Ich buche also noch kurzentschlossen zwei Tage vor Abflug ein Hotel in Flughafennähe, auch wenn ich nur zum Schlafen dort sein werde.

 

Mein Abflug ist für Freitag nach der Arbeit 18:50 Uhr geplant. Als ich dann einen Tag vor der Abreise einchecken möchte, stelle ich fest, dass der Flugplan geändert wurde und ich bereits 15:30 Uhr fliegen werde. Welch Eingebung ich hatte, als ich das Hotel buchte. Nun lohnt es sich wenigstens und mein Urlaub kann/muss (oooaaahhhh) drei Stunden früher starten ;-)

 

Dank meines „Die Dinge fertig bekommen Drangs“ hetze ich Freitag kurz nach 13 Uhr aus dem Büro nach Hause, umziehen und ab zur S-Bahn. Planmäßig treffe ich 14:30 Uhr also noch eine Stunde vor Abflug am Flughafen Stuttgart ein und möchte nur geschwind einchecken – denn das ging online nicht. Ich habe über seat24 gebucht und weder die Germanwings noch die Brussels airlines Seite wollen meinen Buchungscode. Ein frustrierter Herr vom Bodenpersonal versucht allein Herr der Menschenmassen zu werden, die ihre Koffer abgeben und einchecken wollen. Ich stehe also in der Schlange so rum, überlege, wie ich ihn aufheitern kann, wenn ich dran bin und beobachte die Anzeigetafel. Mein Flug rückt immer näher. Nebenbei frage ich mich, auf welchem Flughafen außer Stuttgart die Anzeigetafeln noch nicht digital sind… Mir fällt keiner ein. Irgendwann kommt noch eine zweite Germanwings Dame und ruft schließlich alle Passagiere für den Brüssel Flug nach vorn, da die Zeit knapp wird.

 

Pünktlich zum geplanten Boarding Zeitpunkt komme ich am Gate an, das stickig und überfüllt ist. Nur gut, dass ich es nicht früher geschafft hatte! Also rein in den Flieger und auf nach Brüssel.

 

Urvertrauen funktioniert auch abseits des Jakobsweges

 

In Brüssel angekommen kämpfe ich mich durch die vielen Menschen und das Flughafengebäude, das eher an ein Einkaufszentrum erinnert, nach draußen. Endlich im Freien stehe ich vor der Wahl: Taxi oder meine ersten gut 3 km Wandern. Ich entscheide mich für das Wandern und versuche mit meinem Handy den Weg ausfindig zu machen. Tja, kein Internet… Mit dem Urvertrauen, das mich der Jakobsweg gelehrt hat, laufe ich einfach los und bahne mir meinen Weg runter vom Flughafengelände. Dabei fallen mir schon die schwer bewaffneten Soldaten auf und die Zeltschleusen, die den einzigen Weg in die Abflugebene bilden.

 

Als ich endlich die ersten Wohnhäuser sehe und immer noch nicht weiß, ob ich auf dem richtigen Weg bin, spreche ich einen Handwerkertrupp an, der auch gerade vom Flughafengelände runter läuft. Sie sprechen kaum Englisch und ich kein Polnisch, doch die Verständigung klappt. Einer zückt sein Smartphone und zeigt mir den Weg auf google maps. Das fotografiere ich schnell ab und lasse sie ihrer Wege ziehen. Mit meiner rudimentären Karte laufe ich weiter. Er klappt ganz gut und es scheint, als hätte mir Belgien einen roten Teppich ausgerollt, denn ich folge einem roten Radweg ;-) Als ich später nicht mehr weiterweiß, doch sicher schon sehr nahe am Ziel bin, frage ich noch einmal und erreiche schließlich nach ca. einer Stunde Fußmarsch mein Hotel.

 

Reisen – wie funktionierte das eigentlich vor der Zeit des Internets?

 

Der Rezeptionist im Fly Inn eröffnet mir gleich, dass er mir ein Zimmerupgrade gibt, da er gern eine gute Bewertung auf booking.com haben möchte. Nun hat er sich so um mich bemüht, doch ein Hotel, an welchem im Wechsel und manchmal auch zeitgleich Züge vorbeirattern und Flieger drüberfliegen, kann von innen noch so toll sein, es ist einfach seeeeeehr laut.

 

Ich nutze den langen Abend um meine nächsten Stationen zu planen, Etappen festzulegen, mir einen Pausentag in Viana do Castelo zu schenken, zu erkunden, wie ich die Etappe nach Villa do Conde, die ich im letzten Jahr schon gelaufen bin, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann und mir spontan eine neue Unterkunft für Porto zu buchen, da meine airbnb Reservierung kurzfristig abgesagt wurde.

 

Abendreflektion – Susi wunder dich

 

Beim Einschlafen wundere ich mich noch einmal über mich selbst. Ich, mit meiner Planernatur, fliege in ein fremdes Land und laufe los, ohne zu wissen, wo es hingeht. Dieses Vertrauen hat mich definitiv der Camin(h)o gelehrt. Auch fremde Menschen anzusprechen wäre früher für mich undenkbar gewesen. Es kostet mich nach wie vor einen Funken Überwindung, doch begeistert mich die Hilfsbereitschaft und die positive Energie, die von der Gemeinschaft mit anderen Menschen ausgeht so wahnsinnig!

 

Auf dem Weg nach Porto mit kurzem gedanklichen Ausflug nach Vietnam

 

Nachdem sich am Morgen der erste Flieger oder Zug, ich weiß es nicht mehr, den Geräuschzugang in meinen Traum verschafft hat, stehe ich auf, packe meine Sachen und beschließe auch den Weg zum Flughafen zurück zu laufen. Ich schaue ihn mir noch einmal auf google maps an, mache einen Screenshot für alle Fälle und spaziere im Morgengrau – 07:30 Uhr, spät für einen Pilger – los. Während ich so gehe freue ich mich, dass ich den Weg kenne und spiele mit den Gedanken, wie es wohl später in Portugal sein wird. Vom letzten Jahr bin ich es gewohnt ca. 06:30 Uhr loszupilgern. Ich hatte nämlich erkannt, dass durch die Zeitverschiebung in Portugal Anfang Oktober erst gegen halb 9 die Sonne aufgeht. Im Finsteren möchte ich nicht aufstehen und so wird es wohl ein neuer Pilger-Rhythmus.

 

Am Flughafen angekommen laufe ich an den sich stauenden Autos vorbei und freue mich, dass ich mit meiner einen Susi-Stärke schneller bin als die schicken Karossen mit ihren vielen PS. Heute muss auch ich durch das Zelt mit den schwer bewaffneten Militärs. Die Szenerie erinnert mich an das Coconut Gefängnis auf der vietnamesischen Insel Phu Quoc. Glücklicher Weise gibt es im Zelt keine Folterungen, sondern nur Gesichtskontrolle. Puh, geschafft. Nach der Sicherheitskontrolle gönne ich mir noch einen Cappuccino und eine belgische Waffel und steige dann pünktlich in den Flieger. In Brüssel beginnt es zu regnen und wir heben ab über die Wolken zu hellem Sonnenschein.

 

Ankunft in Porto

 

Besonders stolz bin ich darauf, dass ich es im Flieger geschafft habe, meinen Online Grünkraft-Zirkel noch einmal zu überarbeiten und endlich die letzte Lektion fertig zu stellen.

 

Nach gut zwei Stunden Flug und einer gewonnenen Stunde Dank der Zeitverschiebung bin ich nun in Porto, nehme die Metro ins Zentrum, speise ein landestypisches Sandwich mit Steak und Bratensoße und mache mich dann auf zum Check in im Hostel.

 

Darüber amüsiere ich mich köstlich am Flughafen in Brüssel, denn alle Plätze sind mit strampelnden Menschen besetzt :-)

Hotel Fly Inn -

Brussels Airport

 

Für eine Nacht Stay Over in Ordnung. Zum Erholen ist das nichts.

 

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