Caminho Portugues da Costa - 1. Pilgertag (28 km)

Tag 1: (Porto) - Vila do Conde - Marinhas

 

28 km - teils am Meer entlang, teils durch Wald und Ortschaften

 

Kaum Begegnungen

 

Ausschlafen Dank Zeitverschiebung

 

Kurz vor 7 wache ich auf und kann entspannt alles packen um die Metro 07:38 Uhr zu erreichen. Eine knappe Stunde später erreiche ich Vila do Conde - den Ort, an welchem ich vor 16 Monaten den Caminho da Costa verlassen habe um auf dem Caminho Central weiterzupilgern.

 

Nach den ersten Kilometern finde ich endlich ein geöffnetes Café mit Sitzplätzen in der Sonne. Das ist an einem Sonntag Morgen nicht so einfach.

 

Frisch gestärkt, für Mittag bevorratet und von den niedrigen Preisen in Portugal begeistert mache ich mich beschwingt wieder auf den Weg. Es vergehen einige Kilometer und ich komme in einen belebten Badeort. In der dortigen Kirche spende ich mein komplettes Kleingeld - Erleichterung - für eine Kerze und wünsche mir selbst einen tollen Weg - Bom caminho.

 

Als ich endlich zum ersten Mal das Meer erblicke, staune ich nicht schlecht: hier war ich schon einmal! Vor zwei Jahren, als ich mich in den portugiesischen Jakobsweg verliebt habe, hat meine Urlaubswoche genau an diesem Strand, in dieser nun vor mir liegenden Bar begonnen. Ich bin total perplex und erinnere mich an diese Zeit zurück.

 

Nun geht es den bekannten Holzplankenweg weiter gen Norden. Ein netter Portugiese begleitet mich ein Stück und wir sprechen über meinen Wegplan. Er meint, dass dieser Weg zu mindestens 80% von Deutschen gegangen wird. Mal schauen - bis jetzt habe ich noch gar keinen Pilger gesehen...

 

Gedankenspiele, die keine bleiben müssen

 

Auf den weiteren Kilometern begegnen mir kaum Menschen und ich nutze die Zeit zum Nachdenken. Ich plane meine Pilgerangebote für das kommende Jahr, überlege, wie ich am geschicktesten nach Portugal umsiedel um von den günstigen Lebenshaltungskosten zu profitieren und was ich sonst noch so alles anstellen könnte. Diese Gedanken haben schon eine andere Qualität, wenn ihrer Verwirklichung nichts im Wege steht, außer das Nicht-Tun.

 

Um meinen Rucksack zu erleichtern futtere ich weg, was nur geht und beschließe nicht wieder mit so viel Obstvorrat loszuziehen. Meine Wasservorräte fülle ich auf einem Friedhof auf. Diese Erkenntnis bei einer früheren Tour in Deutschland war Gold wert. Wo gibt es immer fließend Wasser? Auf Friedhöfen!

 

500 km Jakobsweg-Jubiläum verpasst, 600 km knacke ich morgen

 

Während ich so nichts besseres zu tun habe, als mich mit meinen Gedanken zu beschäftigen, summiere ich meine gelaufenen Jakobswegkilometer einmal auf:

 

260 km Caminho Portugues Central

260 km Jakobsweg in Baden-Württemberg

50 km Jakobsweg in Sachsen

100 km Caminho Portugues da Costa vor mir

 

Nicht mehr weit und ich habe in Summe auch den Camino Frances in den Knochen. Ob ich den wohl jemals gehen werde... Für nächstes Jahr steht als persönliche Erfahrung der Weg zwischen dem Erzgebirge - meiner Heimat - und dem Bodensee - ein Stück weiter, als meine Wahlheimat - an. Als Coaching & Pilgern Touren wird es zwei 5-Tages Touren in Baden-Württemberg geben und eine 2-Wochen Tour von Portugal nach Santiago. Zusätzlich gibt es über den Schwäbischen Albverein weitere Touren ohne Coaching. Genaue Termine folgen!

 

Eine Pilger - SCHNELL

 

Kurz vor dem Ziel entdecke ich doch tatsächlich eine Pilgerin vor mir. Ich mobilisiere unbekannte Kräfte und schließe zu ihr auf. Sie ist übrigens Polin, keine Deutsche. Zeitgleich laufen wir in der Herberge ein. Da neben der Herberge heute ein Dorffest steigt, duschen wir und gehen anschließend direkt ins Festzelt um mit einem kühlen Bierchen auf den Bänken davor Platz zu nehmen, auf unseren geschafften Tagesmarsch anzustoßen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Die Herberge ist nicht die komfortabelste, die ich kenne, doch dafür ist sie auf Spendenbasis.

 

Nach dem Schreiben dieses Beitrags falle ich mit kaputten Beinen und portugiesischer Volksmusik im Ohr in mein Bett :-)

 

Endlich kann ich die Verwirrung über die Muschelrichtung aufklären: sie hat auf den portugiesischen Schildern KEINE Bedeutung!

 

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