Caminho Portugues da Costa - 2. Pilgertag (20 km)

Tag 2: Marinhas - Viana do Castelo

 

20 km - Meerblick aus der Ferne, wunderschöne Waldabschnitte und kleine Ortschaften

 

600 km Marke geknackt

 

Des Pilgers größte Not

 

Nach einer sehr unruhigen Nacht in der Herberge bricht endlich der Morgen herein und als alle gruschteln mache ich auch mit, stehe auf, packe meine Sache und trete mit den ersten Sonnenstrahlen wieder auf den Weg.

 

Das erste Ziel heißt Frühstück und Wasser kaufen. Da ich beim Haare Kämmen im Freien bereits den Brötchenlieferservice beobachtet habe, ist mir klar, dass der nächste Bäcker wohl nicht um die Ecke sein wird. Nach 20 Minuten falle ich über meine Kekse her und nach 40 Minuten ein zweites Mal. Dann endlich entdecke ich ein Café, doch dort gibt es wohl nichts zum Essen. Einmal ums Eck sehe ich 2 Pilger sitzen. Hier muss es Frühstück geben. Und so ist es auch: ich bekomme ein belegtes Brötchen und einen Milchkaffee für mal wieder sagenhafte 1,50 €. Außerdem nehme ich mir noch eine Wasserflasche mit und eine Riesentomate für später. Die Wasserflasche trage ich von heute an in der Hand. Erstens trinke ich so regelmäßig und zweites schont es meinen Rücken.

 

Küstenweg ohne Küste --> Großartig für Waldliebhaber

 

Es geht durch Dörfchen, entlang an Vorgärten und schließlich bergauf bergab in den Wald. Ich genieße den Anblick und die Gerüche. Ich gebe ja zu, dass mich der Gedanke 5 Tage am Meer entlang zu laufen schon etwas angestrengt hat. Desto froher bin ich, dass ich heute das Meer nur aus der Ferne sehe und in meinem Element, dem Wald bin. Es ist wundervoll!

 

An einer kleinen Kirche raste ich, feiere innerlich die Durchbrechung der magischen Marke von 600 km auf den Jakobswegen Europas und freue mich darüber, dass ich ewig Zeit habe. Mein vorgebuchtest Hostel öffnet erst 16:30 Uhr. Da muss ich erst 600 km gehen um endlich einmal eine Pause genießen zu können, die mehr als 5 Minuten dauert und noch nicht mal der Nahrungsaufnahme dient. Es ist einfach wunderbar. Ich sitze auf einer Mauer, lass die Beine baumeln und blicke in die Ferne, wo ich das Meer sehen kann.

 

Weiter schlendere ich über Stock und Stein, bis ich an ein Pilgerdenkmal gelange, wo andere Pilger Relikte, Erinnerungsstücke oder oder oder abgelegt haben. Ich betrachte alles und frage mich, welche Geschichten wohl hinter den einzelnen Teilen stecken:

  • Eine Zigarette
  • Ein Kaubonbon
  • Ein Gebührenbescheid fürs Schwarzfahren
  • Das Foto einer älteren Frau
  • Das Foto eines Jungen
  • Armbänder
  • Ein Korken
  • Ein Schlüssel mit einer Nummer und einem WLAN Code

Ankunft an einem der schönsten Plätze Portugals

 

Dann endlich erreiche ich wieder Zivilisation und auch bald darauf Viana do Castelo, welches nach der Überquerung der laaaangen Brücke über den Lima zu erreichen ist. Ich stelle fest, dass ich größeres Vertrauen in das Bauwerk „Brücke“ stecke, als in die Long Bien Brücke von Hanoi. Während ich jetzt diesen Beitrag schreibe, stelle ich fest, dass beide Brücken von Gustave Eiffel erbaut wurden und die Brücke in Hanoi sogar jünger ist. So schließt sich der Kreis ;-)

 

Da ich immer noch ewig Zeit habe, gönne ich mir am Flussufer des Lima ein Puddingteilchen und genieße die Sonne. Später spaziere ich weiter in Richtung meiner Unterkunft und lande auf einem der (laut Wikivoyage) schönsten Plätze Portugals. Was für ein glückliches Händchen ich bei meiner Hostelauswahl doch hatte. Immer noch zwei Stunden Zeit bis zum Einchecken, gönne ich mir einen großen frischgepressten Orangensaft und genieße das Leben. Als ich ein schlechtes Gewissen bekomme, dass ich immer noch einen Tisch blockiere, ziehe ich an eines der Wahrzeichen der Stadt um und spoile alle Tourifotos. So stelle ich mir digitales Nomadentum vor. Mit dem Laptop auf dem Schoß an den schönsten Orten der Welt arbeiten. Ich beginne einen Blogartikel, in welchem ich mich frage, was ich auf meinen 600 km Jakobsweg gelernt habe und was mich immer weiter antreibt. Morgen mehr dazu, denn morgen ist ein pilgerfreier Tag!

 

Endlich kann ich einchecken und mein Hostel ist der Hammer! Es wurde erst vor 6 Wochen eröffnet, ist ein Altbauhaus an besagten schönsten Platz und bietet eine große Küche zum Aufhalten, ein Wohnzimmer, mein Schlafsaal hat ein Sofa und sogar einen eigenen Balkon. Ich kann mich gar nicht entscheiden, wo ich mich hinsetzen soll um diesen Beitrag zu schreiben. Ich lande im Wohnzimmer und komme mit einer Dänin ins Gespräch. Das war wohl nichts mit Schreiben ;-) Ich probiere später noch den Balkon aus und beschließe, dass ich dort morgen etwas mehr Zeit verbringen werde, denn im Schatten wird es langsam kühl. Unterwegs habe ich die Coaching & Pilgern Touren für das nächste Jahr weitergeplant. Wenn alles so wird, wie ich mir das für morgen vorstelle, gehen die Angebote morgen online.

 

Deutscher Hunger trifft auf portugiesische Öffnungszeiten

 

Frisch geduscht, Wäsche gewaschen – mein Merinowolle-Shirt hatte nach 4 Tagen nun doch etwas den Geruch meines Deos angenommen – gehe ich auf Streifzug um etwas zum Abendessen zu finden. Es ist 18:15 Uhr – zu früh für Portugiesen. Ich streifzügle also eine ganze Weile, bis ich ein offenes Restaurant finde. Doch auch hier muss ich noch 15 Minuten mit einem Glas Wein überbrücken, denn erst dann macht die Küche auf. Frisch gestärkt mit Fischsuppe gehe ich zu meinem Hostel zurück und schreibe nun endlich diesen Beitrag fertig und veröffentliche ihn ;-) Ich freue mich auf die Nacht in blütenweiser Bettwäsche mir nur 2 weiteren Mädels im Zimmer, die hoffentlich nicht schnarchen! Morgen gilt es als Touri die Stadt zu erkunden und ein bisschen was zu arbeiten. Ich freue mich darauf – auf beides!

 

Hier noch eine kleine Sammlung an Wegweisern


 

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