Caminho Portugues da Costa - 3. Pilgertag (28 km)

Tag 3: Viana do Castelo - Caminha

 

28 km - Ausgestorbene Ortschaften, abwechslungsreiche Landschaft und nach 50 km erstmals wieder Küste!!!

 

Ohne Sonne kommt der Pilger-Blues

Der erste Pilger-Pausentag meines Lebens

 

Nach nie habe ich während einer Tour einen Pausentag eingelegt, doch jetzt fühlt es sich gut und richtig an und der Tag in Viana do Castelo war großartig. Da es erst ab 09:00 Uhr im Hostel "Dona Emilia" Frühstück gibt, liege ich für meine Verhältnisse ewig lange im Bett und sitze dann noch etwas am PC und mache die Coaching & Pilgern Planung für 2017. Beim Frühstück kommen dann wir drei Mädels aus dem Schlafsaal und die Inhaberin zusammen und haben interessante (Mädels-)Gespräche. Das führt dazu, dass ich erst 10:30 Uhr meine Erkundungstour durch Viana starte. Schließlich hatte ich bei meiner Ankunft die gelben Pfeile komplett aus den Augen verloren und möchte für den nächsten Pilgertag vorbereitet sein.

 

Ich gehe also zur Eiffel-Brücke zurück und folge den Pfeilen. Kurze Zeit später stehe ich wieder vor meiner Unterkunft und lache mich schief. Warum hatte ich die Zeichen nur einen Tag zuvor nicht gesehen? Im Hostel hatte ich erzählt, dass ich einen Tag Pause vom Pilgersein mache und nun Tourist bin. Da habe ich wohl auch den Blick für die Muscheln mit abgegeben :-)

 

Pilgerfrei heißt ja nicht lauffrei und so steige ich die unzähligen Stufen zur Kirche Santa Luzia empor. Die Aussicht ist trotz Bewölkung fantastisch. Leider schwitze ich nun mehr, als an den Pilgertagen zuvor zusammen. Das Merino-Wolle Shirt wird herausgefordert. Ich habe es übrigens nach 4 Tagen doch einmal gewaschen, weil es den Geruch meines Deos angenommen hatte.

 

Nach dieser Erkundungstour ziehe ich mich ins Hostel zurück – es ist aber auch zu schön hier - und arbeite etwas. Als es am Nachmittag aufklart, beschließe ich noch einmal zur Kirche hoch zu gehen. Dieses Mal nehme ich allerdings die Seilbahn. Oben angekommen setze ich mich in die Sonne, Laptop auf den Schoß und schreibe am 600 km Jakobsweg-Jubiläums-Blog-Artikel. Es ist einfach großartig. Später im Hostel bastel ich noch an meiner Website und gehe früh in mein kuscheliges Bett. Schon nach der einen Nacht in der Herberge in Marinhas schätze ich frisch gestärkte Bettwäsche und ein Federbett total. Dank Internet überall im Hostel und Kopfhörern lasse ich mich noch etwas von Conni Biesalskis digitalem Lifestyle inspirieren und schlummere früh ein.

 

Nach dem Pausentag kommen der Muskelkater und der Pilger-Blues

 

07:30 Uhr starte ich im noch schlafenden Viana do Castelo in die 28 km bis Caminha am Rio Minho – der Grenzfluss zu Spanien. Alles ist wie ausgestorben. Das liegt wohl an der für die Portugiesen frühen Stunde und daran, dass Feiertag (Ausrufung der Republik) ist. Von Republikgründungsenthusiasmus ist nichts zu spüren. Ich sehe über die nächsten Stunden in Summe 5 Menschen – keine Pilger und das Meer wieder nur aus weiter Ferne.

 

Heute fordert mich der Weg und ich frage mich ständig, warum? Es geht durch Dörfer, Wald, bergauf, bergab, also sehr abwechslungsreich voran. Am Wegesrand gibt es immer wieder Trinkwasserstellen, sodass ich mir um die Wasserversorgung keine Gedanken machen brauche und auch Mittagessen habe ich dabei. An sich sollte alles gut sein. Ist es aber nicht! Ich lasse meine Erkenntnisse des letzten Tages Revue passieren – warum pilgere ich und was macht mir daran Spaß? Ok, es ist recht einsam und manche Wegabschnitte gehen zwischen zwei hohen Mauern entlang ohne Sicht darüber und an ein Ende. Doch das kann es ja wohl nicht sein…

 

Als kurz erste Sonnenstrahlen herauskommen, fällt es mir auf. Durch die dichte Bewölkung und die verwaisten Straßen habe ich lange das Gefühl, dass der Tag nicht beginnt. So sehr ich es auch mag, wenn ich morgens loslaufe und alles noch schläft, so toll ist es auch dabei zuzuschauen, wie die Regionen langsam erwachen. Das fehlt heute und die SONNE fehlt mir. Es ist nicht kalt, doch drücken die Wolken auf meine Stimmung.

 

Tausche Waldduft gegen Fischgeruch - und das mit Freude!

 

Meine Stimmung hellt sich erst auf, als ich nach ca. 50 km wieder am Meer ankomme. Ich habe mich noch nie so über eine Küste im Vergleich zu bewaldeten Bergen gefreut, doch hier bin ich nun gewiss, dass es nicht mehr bergauf geht und es sitzen jetzt auch Menschen in Cafes.

 

Weit kann es bis Caminha nicht mehr sein, also gönne ich mir eine Pause und beobachte das Meer und die Menschen, die an der steinigen Küste herumklettern bzw. nach Muscheln tauchen. Der Weg geht nun wirklich schnurgerade weiter Richtung Minho. Auf den letzten Kilometern treffe ich die erste Pilgerin des Tages – eine Slowenin und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Slowenien nicht einmal präzise auf der Europakarte einzeichnen könnte. Irgendwann werde ich einmal eine Reise in die östlichen Länder Europas machen, denn da habe ich eine „Reiselücke“.

 

Wir laufen gemeinsam in Caminha ein und finden die gut versteckte Herberge, in welcher wir allein sind. Da diese nicht einladend ist, ziehe ich nach kurzem Frischmachen mit Laptop wieder los und gönne mir… na wie immer ein Puddingteilchen und einen Milchkaffee am zentralen Platz der Stadt :-)

 

Meer oder Fluss? Definitiv Fluss!

 

Lange hält mich nichts in der Stadt, denn ich möchte ans Wasser. Einige Zeit sitze ich am Minho und schaue nach Spanien. Die Fähre setzt über und ich bin wieder fasziniert davon, dass auf der anderen Flussseite eine andere Sprache gesprochen wird und eine andere Zeitzone ist. Ich werde dieses Mal nicht nach Spanien gehen, sondern mir meinen Weg entlang des Minhos nach Valenca bahnen. Ich bin gespannt, ob ich eine Ausschilderung finden werde.

 

Nach meiner Flussmeditation schlendere ich noch über einen Markt, kaufe (sehr leichte) Winterhausschuhe für sagenhafte 2,50 € und komme zum zentralen Platz zurück, wo ich an den Tischen eines ungeöffneten Cafés in Ruhe diesen Beitrag schreibe. Habe ich schon einmal gesagt, dass ich mir genauso das perfekte digitale Nomadenleben vorstelle? Es gibt übrigens auch kostenfreies W-LAN der Stadt…

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Judith (Dienstag, 11 Oktober 2016 10:23)

    Viana do Castello hat so viel zu bieten, auch außerdem des Sommer und das Meer dort sagenhaft.
    Es gibt so viele leere Strände, die zum Verweilen einladen. Ich wünsche noch viele schöne Stunden in schönen Städten. Grüße von der Rednermacherin, die regelmäßig in Viana halt macht.

  • #2

    Hugo (Mittwoch, 22 März 2017 14:08)

    WWW.caminhoportuguesdacosta.pt