Wenn eine Perfektionistin wütend wird

Die Tage erhielt ich von Lia Rienzi die Einladung, an ihrer Blogparade zum Thema #Wut ausdrücken und annehmen teilzunehmen.

 

Mein erster Gedanke war, mit Wut habe ich nichts zu tun. Doch dann kam Gestern und mir wurde bewusst, dass auch in meinem Leben Wut eine Option der Reaktion ist.

 

Wieso ich der Meinung war, dass mich das nichts angeht, erzähle ich dir später.

 

Zu Beginn möchte ich dir berichten, was gestern geschah:

 

Wie du ja vielleicht weißt, betreue ich noch das ein oder andere Projekt bei meinem alten Arbeitgeber. Gestern Nacht haben wir eine neue Software-Version eingespielt. Im Laufe des Morgens und Vormittags habe ich das System beobachtet, mit den Anwendern telefoniert und geschaut, dass alles wieder läuft, wie es soll. Da ich seeeeehr früh in den Tag gestartet war, habe ich kurz vor Mittag die Betreuung an einen Kollegen übergeben und ging nach Hause. Alles war gut. Den ersten Anruf einer Kollegin erhielt ich kurze Zeit später und gab meinem Kollegen die Info weiter. Wir telefonierten sogar und er sagte, er kümmere sich drum. Als ich am Abend noch einmal meine Mails checkte, fand ich mehrere Eskalationsmails von Anwendern, die sich beschwerten. Meinen Kollegen erreichte ich nicht mehr – Feierabend. Dies war der Moment, als die Wut in mir aufstieg. Ich tat, was ich zu diesem Zeitpunkt noch tun konnte und ein anderer Kollege beauftragte meinen direkten Kollegen sich gleich am Morgen um die Sache zu kümmern. Als ich dann am Mittag des nächsten Tages ins Büro kam und mein Kollege sich nicht einmal die notwendigen Informationen geholt hatte, geschweige denn der Problemlösung einen Schritt näher war, platze mir der Kragen, wie man so schön sagt.

 

Doch warum?

 

Es ist die Perfektionistin in mir, die gern Aufgaben vollständig und zur Zufriedenheit aller ausführt. Dafür gehe ich viele Extrameilen, was proaktives Nachfragen und auch ungefragte Überstunden einschließt. Mein Kollege hat diese Ausprägung von Perfektionismus nicht in sich. Somit prallen zwischen uns immer wieder Welten aufeinander.

 

Womöglich bin ich auch eifersüchtig über seine Gelassenheit, denn ich kann an solchen Tagen nicht einfach Dienst nach Vorschrift und danach mein Handy ausschalten. Ich fühle auch sehr stark mit den Kollegen, die dann die Probleme haben und möchte sofort helfen. Empathie ist also auch ein Kriterium, warum ich anders handle, als er.

 

Was ist Wut und wie äußert sich meine Wut?

 

Wut ist eine starke heftige Emotion, die durch einen Reiz verursacht wird. Dieser Reiz kann bei jedem ein anderer sein und auch je nach Situation verschieden, wie du in meinem Beispiel lesen konntest. Erlebe ich es also, dass jemand meine Arbeit nicht in meinem gewissenhaften Sinne weiterführt, werde ich aufgeregt, spreche schneller, als ich denken kann, mir wird warm und ich werde rot. Da ist also mega viel Energie!

 

Das bringt mich zu der Überlegung, diese Energie zu kanalisieren und positiv zu nutzen. Dies funktioniert sehr gut für körperliche Projekte, die wenig Feingefühl verlangen, wie Schnee schippen, Straße Kehren o.ä. Auch um Motivation für Sport zu haben, lässt sich die Wut prima einsetzen. Der positive Effekt ist zweiseitig. Zum einen treibt die Wut an und zum anderen wird durch die Bewegung an der frischen Luft der Hormoncocktail im Körper durchgemischt. Die Durchblutung des Gehirns wird angeregt, die Wohlfühlhormone Serotonin und Dopamin werden ausgeschüttet. Dadurch wird der Level des Stressbotenstoffs Cortisols gesenkt und wir kommen wieder in die Möglichkeit neue synaptische Verbindungen aufzubauen, sprich neue zielführendere Gedanken zu denken.

 

Doch Wut ist auch in anderen Situationen eine Triebkraft. Betrachtet man das Modell des Verlaufs einer Krise, so steht Wut für die Phase des Aufbruchs. Diese Phase kommt nach der Verleugnung, in der wir das Geschehene leugnen und unter Schock kaum handlungsfähig sind. Setzt die Phase des Aufbruchs ein, erkennen wir an, dass etwas passiert ist und befinden uns vor dem Schritt der Lösungssuche.

 

Wie kannst du noch mit deiner Wut umgehen?

 

Neben körperlicher Aktivität helfen auch Meditationen und achtsames Hinspüren. Auch das Aufdecken der Ursache und das Erkennen, was der Auslöser mit mir zu tun hat, kann der Wut Einhalt gewähren. Wichtig ist, dass die Wut sich ihren Weg bahnen darf und ausgelebt wird. Wissenschaftliche Studien zeigen nämlich, das unterdrückte Wut Auslöser für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und der Psyche sein kann.

 

Noch besser, wie kannst du deine Wut vermeiden?

 

Kommen wir noch einmal auf die Entstehung von Wut zurück. Wut ist eine Emotion, die auf Grund eines Reizes entsteht.

 

Zum einen können wir die Reize beeinflusst.

  • Vermeide Situationen, die dich wütend machen können.
  • Habe keine unausgesprochenen Erwartungen an andere, sondern formuliere Wünsche und Aufgaben, sodass die anderen wissen, was du möchtest.

Zum anderen können wir unsere Reaktion steuern. Wenn der Reiz da ist oder kommt, dann haben wir es „in der Hand“ wie wir reagieren.

 

Ich mache es mal am Beispiel deutlich. Als ich gemerkt habe, dass die Situation nicht mehr unter Kontrolle ist, hätte ich folgende Alternativoptionen gehabt:

  • in Lösungen denken
  • alle Informationen sammeln
  • selbst das Ruder wieder übernehmen
  • auf allen Kanälen versuchen, meinen Kollegen zu erreichen
  • die Sache ruhen lassen, denn es war nicht mehr meine Aufgabe
  • erforschen können, welche Informationen ihm überhaupt zur Verfügung standen
  • gemeinsam mit ihm an einer Lösung arbeiten.

Nehmen wir noch ein anderes Beispiel: ein Autounfall – es gibt keine Personenschäden, doch das Auto ist kaputt. An dieser Stelle bringt Wut keinen voran und gleich gar nicht macht es das Auto wieder heil. In diesen Situationen hilft meiner Meinung nach nur das in Lösungen denken.

 

Und zum Abschluss verrate ich dir noch, warum Wut in meinem Leben nicht präsent ist, obwohl ich sie erlebe. Ich habe in den letzten Jahren mein Gehirn trainiert, sich auf die positiven Momente und Emotionen zu fokussieren. Diese mache ich mir durch Achtsamkeit- und Dankbarkeitsübungen bewusst und mache sie dadurch viel größer und erlebe sie ausführlich. Und wenn es eine Situation, wie gestern gab, dann lerne ich daraus und ändere für die Zukunft meine Denkweise.

 

Nun freue ich mich auf deine Gedanken zum Thema Wut. Wie gehst du damit um und was löst sie aus?

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sven Bartel (Freitag, 20 Januar 2017 18:26)

    Oh ja, so einen Perfektionisten kenne ich da auch. Brauche nur selbst in den Spiegel zu schauen ;-).
    Werteverletzungen können auch mich total in Rage bringen. Am Ende bleibt aber nur eins: Der Konflikt muss gelöst werden, wenn er bestehen bleibt, kostet das echt Kraft. Also toi toi toi, dass du das mit deinen Kollegen klären kannst.

    Schöner Blogpost!
    Gruß, Sven

  • #2

    Lia Rienzi (Freitag, 27 Januar 2017 11:39)

    Liebe Susi,

    deine Sichtweise auf Wut ist mal so ganz anders. Du schiebst die Wut durch positive Gedanken einfach aus deinem Leben heraus. Ich weiß nicht genau ob ich das könnte :) denn ich spüre immer wieder meine heruntergschluckte Wut aus Vergangenene Erfahrungen, die unbedingt von mir gesehen werden möchte. Es gefällt mir gut, die Kraft zu spüren, die sie mit sich bringt und meinen ganzen Körper füllt. Fühle ich meine Wut fühle ich mich stark wie ein Bär. Dafür bin ich dankbar.

    Herzliche Grüße,

    Lia